Zwischen dem Wohnblock des August-Bracke-Hofs und den in jüngster Zeit renovierten Wohnbauten der Baugenossenschaft aus den späteren 20er Jahren befindet sich an der Broitzemer Straße ein unscheinbarer Industriebau. Das Mauerwerk lässt auf der zum Ring liegenden Seite erkennen, dass das Gebäude eine schon längere Geschichte hat. Es entstand als Teil der Bierbrauerei Balhorn.
1772 kann als das Gründungsjahr der Brauerei Balhorn in der Güldenstraße 43 angesehen werden. Schon zuvor wurde jedoch in dem aus dem 16. Jahrhundert stammenden Fachwerkhaus mit der Assekuranznummer 813 Bier gebraut. Nun übernahm der aus einer Brauerfamilie kommende Johann Heinrich Julius Balhorn das Haus mit allen Braupfannen und anderem Gerät. Die Brauerei blieb über Jahrzehnte im Familienbesitz. Johann Balhorns Sohn August Martin Ludwig durfte bereits den Titel „Hofbrauer“ führen und war Stadtverordneter. Der dritte Besitzer Johann Julius Wilhelm Albert eröffnete in einem vormaligen Feldhüterhaus das vor der Stadt gelegene Gartenrestaurant „Autors Höhe“. Es lag auf einem kleinen Hügel an der Goslarschen bzw. späteren Julius-Straße. In seinem mehrgeschossigen Keller konnte Bier gelagert werden, weswegen das Lokal später unter dem Namen „Felsenkeller“ weiter geführt wurde.
Unter Carl Heinrich Theodor August Balhorn machte der Familienbetrieb einen entscheidenden Wachstumsschritt der ihn in die Spitzengruppe der über 30 zu dieser Zeit in Braunschweig tätigen Brauer brachte: 1885 wurde an der Broitzemer Straße 6 ein Neubau der Brauerei errichtet, in dem Zwei Jahre später die Produktion aufgenommen wurde. Zur Ausstattung gehörten auch maschinell gekühlte Lagerkeller. Das Stammhaus an der Güldenstraße war nun noch Niederlage, Wohn- und Lagerhaus. Die Brauerei wurde in eine Aktien-Gesellschaft umgewandelt und hatte einen jährlichen Bierausstoß von ca. 28.000 Hektoliter, der sich in den kommenden Jahren erhöhte und bald 78.000 Hektoliter betrug.
Seit 1908/1909 erfolgte jedoch ein allgemeiner Rückgang des Bierausstoßes. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg wurde deshalb ein Zusammenschluss mit dem Brauhaus Wolters angestrebt, dessen Stammhaus ebenfalls an der Güldenstraße lag. Ab 1.Oktober 1919 arbeiteten die Firmen auf gemeinsame Rechnung, am 20. Februar 1920 fand die Vereinigung zum Hofbräuhaus Wolters und Balhorn AG statt. Die Produktion an der Broitzemer Straße wurde eingestellt und die Gebäude verkauft. 1940 wurde nach einem Aufsichtsratsbeschluss der Name „Balhorn“ aus dem Gesellschaftsnamen gestrichen.

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