Hinter dem alten Friedhof an der Freisestraße befand sich das ehemalige Kreuzkloster (Rennelbergstraße 2). Um 1230 entstand hier ein Frauenkloster. Die zum Kloster gehörige Kirche wurde 1230 dem Heiligen Kreuz und der Jungfrau Maria geweiht.
Um die Gründung des Klosters ranken sich mindestens zwei Legenden: Schon vor Gründung des Klosters soll hier eine Klause existiert haben, die von drei weiß gekleideten Jungfrauen bewohnt wurde, die Tag und Nacht Gott dienten. Dies ist relativ unwahrscheinlich, da es sich beim Rennelberg um einen Turnierplatz handelte.
Für die zweite Gründungslegende gibt es eine schriftliche Überlieferung, allerdings erst aus dem 17. Jahrhundert; sie beginnt mit dem Satz: „Es gab einen verehrungswürdigen Ritter, Balduin von Campe genannt, dem sich die Braunschweiger Bürger widersetzten.“ Dieser Ritter schickte einen Knappen in heimlicher Mission nach Braunschweig. Der Knappe wurde erkannt und sollte gefangen genommen werden. Er floh vor die Tore der Stadt auf den Rennelberg, wo er sich unter einem kreuzförmigen Baum verstecken und retten konnte. Dort erschienen ihm Engel, die den Ort als geweiht bezeichneten. Daraufhin schloss Balduin Frieden mit der Stadt Braunschweig und gründete das Kloster – so die Legende.
Wohl als Benediktinerinnenkloster gegründet, wurde es ab 1409 als Nonnenkloster des Zisterzienser-Ordens geführt. Im Zuge der Reformation, der sich die Stiftsdamen zunächst widersetzten, wurde aus dem Kreuzkloster um 1532 ein evangelisches Jungfrauenstift.
Über Jahrhunderte lebten hier Stiftsdamen, zumeist Töchter aus wohlhabenden Familien der Stadt. Es war das einzige Nonnenkloster der Stadt, in dem unversorgte Töchter des Niederadels und Bürgertöchter unterkommen konnten. Familien kauften ihre Töchter durch Geldleistungen oder Übertragung von Gütern an das Kloster ein. Die Mittel des ehemaligen Kloster- und Studienfonds (heute Teilvermögen der Stiftung Braunschweiger Kulturbesitz) gehen zu einem Teil auf den Grundbesitz des Kreuzklosters zurück. Die Mädchen wurden teilweise sehr jung in das Kloster aufgenommen, weil sie nur in den Konventen die für das Klosterleben notwendige Bildung erwerben konnten. Auch für das Jungfräulichkeitsideal war ein Grund, die Mädchen möglichst vor Beginn der Pubertät an das Leben in Klausur zu gewöhnen.
Mitte des 18. Jahrhunderts, unter der Ägide des Propstes Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem, wurden aus den Landesklöstern Versorgungsanstalten. Das Kreuzkloster musste seine eigene Armenpflege aufgeben; die Mittel hierfür musste es der städtischen Armen-Verwaltung zur Verfügung stellen. 1883 wurde die Klosterdomäne aufgehoben, große Teile des Klosterhofes als Bauplätze ausgewiesen. In dem Meiereigarten des Kreuzklosters entstand in den Folgejahren das Kreis- und Untersuchungsgefängnis am Rennelberg.
Die Vorletzte Domina (Stiftsvorsteherin) des Kreuzklosters, Toni Wirk, war über die Klostergrenzen hinaus sozial tätig. Sie begründete 1902 den Verein Marienheim e.V. mit, der dem Wohl von alleinstehenden Fabrikarbeiterinnen verpflichtet war und dem Toni Wirk von 1902 bis 1906 vorstand. In einem Stadtführer Braunschweigs aus dem Jahr 1911 ist das Kreuzkloster unter der Rubrik „Wohltätigkeits- und Wohlfahrtsanstalten“ als protestantisches Frauenkloster neben anderen sozialen Einrichtungen wie Volkskindergarten, Lehrlingsheimen, Volksküche, Herberge zur Heimat usw. aufgeführt.
Was genau mit dem Kreuzkloster in der Zeit des Nationalsozialismus und im Zweiten Weltkrieg geschah, ist nicht zu ermitteln. Laut Adressbuch aus dem Jahr 1936 lebten hier elf Stiftsdamen inklusive Domina und einem Küchenmeister. Im Adressbuch von 1942 sind unter dieser Adresse sechs Stiftsdamen inklusive Domina und Küchenmeister verzeichnet.
Kloster und Kirche wurden mehrfach zerstört und wiederaufgebaut. Die zuletzt 1609 erbaute Fachwerkkirche und das zur gleichen Zeit neu errichtete Klostergebäude wurden im Oktober 1944 völlig zerstört. Eine spätgotische Kanzel aus der Klosterkirche, die von dem Kölner Meister Hans Witten geschaffen wurde, befindet sich im heute im St. Aegidien, ein Abendmahlskelch im Braunschweigischen Landesmuseum/Burg Dankwarderode.

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