Nachdem 1891 eine weitere untere Bürgerschule in der Sophienstraße zur Entlastung an der steig steigenden Schülerzahlen beigetragen hatte, wurde im August 1892 Pläne für eine weitere Knabenbürgerschule vorgelegt. Nach den Plänen des Stadtbaumeisters Osterloh sollte am Hohestieg eine 20-klassige Schule mit 20 Klassenräumen entstehen. Darüber hinaus sollte es ein Inspektorenzimmer, ein Lehrerzimmer, einen Lehrmittelraum, einen Zeichensaal nebst Modellzimmer, eine Wohnung für den Schuldiener (Pedell), eine Turnhalle, die zugleich als Versammlungsraum fungieren sollte, zwei Räume im Keller für Brausebäder sowie Aborte und Pissoirs geben. Drei Hauptgeschosse, Keller- und Dachgeschoss waren geplant, aber – da es sich um eine reine Jungenschule handelte sollte – nur ein Treppenhaus, das aber wegen hoher Schülerzahlen breiter als üblich sein sollte.
Die Frage, ob in der Schule Brausebäder eingerichtet werden sollte, führte zu Auseinandersetzungen in der Stadtverordnetenversammlung. Schuldirekter Schaarschmidt teilte dazu mit, dass in einer mittleren Bürgerschule Brausebäder nicht erforderlich seien, da die Eltern „das Erforderliche“ selbst besorgten und dazu auch finanziell in der Lage seien. Es sei außerdem nicht damit zu rechnen, dass die Hohestiegschule in eine untere Bürgerschule umgewandelt werde. Die Stadtverordneten beschlossen daraufhin, auf Brausebäder zu verzichten, es sollten aber die Vorkehrungen für einen eventuell späteren Einbau getroffen werden. Auch über die Anbringung einer Uhr wurde debattiert, diese kam jedoch erst mit der Bürgerschule an der Kreuzstraße.
Oster 1894 wurde mittlere Knabenbürgerschule am Hohestieg in Betrieb genommen. Unterrichtszeit war im Sommer von 7.00 bis 13.00 Uhr, sonst von 8.00 bis 13.00 Uhr. Heute befindet sich in diesem Schulhaus eine Grundschule. Der bekannte Schauspieler Gustav Knuth (1901-1987) hat die Bürgerschule Hohesteig besucht. Er wuchs in der Echternstraße und im Madamenweg 4 (heute 6a) auf, einer Wohnung mit Garten, „das Paradies meiner Kindheit“, wie er später schreibt. Der Verbindungsweg zwischen Madamenweg und Gebhard-von-Bortfelde-Weg ist nach ihm Gustav—Knuth-Weg benannt.

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