Im Bereich der Frankfurter Straße und der Straße „Am Alten Bahnhof“ war der Ausgangspunkt der industriellen Entwicklung Braunschweigs. Ausschlaggebend war dafür die Nähe zum 1838 eröffneten Bahnhof am Südrand der Innenstadt und die Wünsche der Unternehmer nach günstiger Verkehrsanbindung. Die ehemaligen Luther-Werke an der Frankfurter werden als Beispiel für frühe Industrieansiedlung in diesem Stadtteil vorgestellt. In der Folgezeit siedelten sich zahlreiche Fabriken mit überregionaler Bedeutung auch in anderen Stadtteilen an, so in der nördlichen Außenstadt „Amme“, „Giesecke“ und „Konegen“, die Pantherwerke und „Schmalbach“, oder in der südöstlichen Außenstadt Unternehmen wie „Voigtländer“ und „Büssing“. Die durch Privatinitiative 1886/89 entstandene Lokalbahn Braunschweig-Derneburg-Seesen umrundete ausgehend vom Nordbahnhof auf dem heute als Fuß- und Fahrradweg umfunktionierten Ringgleis die nördliche und westliche Außenstadt und vermittelte als Verkehrsader den Güterverkehr für zahlreiche benachbarte Industrieunternehmen. Das ehemalige Feldhüterhaus Blumenstraße im westlichen Ringgebiet steht für die im 19. Jahrhundert vor der aufstrebenden Industrie zurückweichende Landwirtschaft auf den sechs städtischen Feldmarken. Die östliche Außenstadt zwischen Karlstraße und Kastanienallee entwickelte sich dagegen weitgehend als relativ geschlossenes Wohngebiet, das zum Teil höchste bürgerliche Wohnansprüche bediente. Gehobene Wohnbebauung zeichnete sich in Braunschweig seit dem 19. Jahrhundert durch Parknähe aus. Im Süden wurde der Bürgerpark angelegt, im Osten der Stadtpark und der Prinz-Albrecht-Park.

Im gesamten Außenstadtbereich entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Antwort auf die wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen kommunale und staatliche Versorgungseinrichtungen, für die in der eng bebauten Innenstadt kein Platz mehr war: Schulen, Kirchen, Kasernen, Krankenhäuser, das neue Gefängnis Rennelberg, die Gastanstalt Taubenstraße, der Wasserturm auf dem Giersberg, der Schlacht- und Viehhof an der Hamburger Straße. Erwähnt werden auch Wohlfahrtseinrichtungen wie z.B. die Herberge zur Heimat und das Männerasyl.

Die Braunschweiger Außenstadt des 19. Jahrhunderts präsentierte sich als Wohn- und Lebensraum einer wachsenden Bevölkerung mit zunehmender Mobilität. Öffentliche Verkehrsmittel wie die Pferdebahn und später die elektrifizierte Straßenbahn bestimmen immer mehr das Straßenbild. Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum wurde nach 1870 durch das wirtschaftliche Engagement von Bauunternehmern nur teilweise gedeckt. Hier schuf langsam, aber mit wachsender Bedeutung der genossenschaftlich organisierte Wohnungsbau Abhilfe, vor allem die 1887 gegründete Braunschweiger Baugenossenschaft. Als Orte der Geselligkeit in der spärlichen Freizeit dienten der lohnabhängigen Bevölkerung Gaststätten wie die „Erste Kulmbacher“ am Madamenweg. Bürgerliche Kreise bevorzugten in der östlichen Außenstadt eher Treffpunkte wie das „Café Okerterrassen“ und das „Stadtparkrestaurant“.

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