Bis 1919 stand auf dem Grundstück Madamewneg 164 ein eingeschossiges Fachwerkhaus, das den benachbarten Wohnhäusern (162/163) ähnelte. In ihm war die Gastwirtschaft „Schweizer Halle“ untergebracht. Unter „Schweizer“ verstanden die Zeitgenossen Melker, so wie sie in der benachbarten Landwirtschaftlichen Lehranstalt und Molkereischule des Direktor Krause (Madamenweg 158) ausgebildet wurden. Im Madamenweg 160 hatte der „Stallschweizer-Verein“ seine Verbandsadresse, dort befand sich auch die Redaktion einer Landwirtschaftlichen Beamten-Zeitung. Wahrscheinlich zielte die Namensgebung der „Restauration“, der auch ein Tanzsaal angeschlossen war, auf diese Gästegruppen.
1894 kaufte die katholische Gemeinde das Grundstück. Infolge der Industrialisierung war die Zahl der in Braunschweig lebenden Katholiken sehr gestiegen. Hatte man um 1800 in der seit der Reformation protestantischen Okerstadt nur etwa 900 Katholiken gezählt, waren es 1890 6.262 Einwohner dieser Konfession. Die Nikolaikirche als katholische Hauptkirche reichte für ihre Betreuung nicht aus. Der neue Dechant Dr. Karl Grube richtete im Saal der erworbenen Gastwirtschaft deshalb eine Kapelle St. Joseph als zweites katholisches Gotteshaus ein. 1898 wurde auf dem angrenzenden Gelände der Grundstein für die katholische Josephschule gelegt und der Seelsorger Hermann Seeland mit der Betreuung der Gemeinde beauftragt. 1901 zeigte sich aber, dass der Bauzustand der Notkirche im früheren Wirtshaussaal bedenklich war. Das Gebäude wurde zeitweilig behördlich geschlossen.
Mit Unterstützung des Hildesheimer Bischofs Wilhelm Sommerwerck wurde nun die Errichtung eines neuen Gotteshaues begonnen. Mit Kirchenkollekten wurde das Bauvorhaben unterstützt. Im Oktober 1902 erfolgte die Grundsteinlegung und noch Weihnachten 1903 konnte die neugotische St. Joseph-Kirche eingeweiht werden.
Tanzsaal und Gastwirtschaft am Madamenweg 164 wurden vorerst noch zu Gemeindezwecken genutzt, bis man sich 1910 zu einem Neubau und dem Abriss der Altgebäude entschloss. Errichtet wurde ein repräsentatives viergeschossiges Restaurations-und Wohngebäude, das heute noch steht. Das Gebäude blieb in Gemeinebesitz. Das geräumige Wirtshaus erhielt den Namen „Zur Hopfenblüte“. Ein langjähriger Pächter war ab 1920 Wilhelm Heinemann.
1954 übernahm der auch kommunalpolitisch aktive Ewald Blume die Gastwirtschaft. Er taufte die Wirtschaft in „Erste Kulmbacher“ um, da dieses Bier in Braunschweig ausgeschenkt wurde. Wie Blume gerne erzählte, habe die Biermarke den damaligen Pastor besonders zugesagt.
Die Gastwirtschaft war über lange Zeit ein Zentrum des katholischen Vereinslebens. Hier entstand schon in der Zeit der Notkirche der St. Josephs-Verein, aus dem die heutige katholische Arbeitnehmer Bewegung hervorging. An jedem zweiten Sonntag kam er in der „Hopfenblüte“ zusammen, während seine Jugendabteilung am Freitagabend dort anzutreffen war (1934). Auch die katholische Spielvereinigung Deutsche Jugendkraft hatte hier ihr Vereinslokal. Fußball war lange Zeit ihr Aushängeschild. Gespielt wurde auf der Kälberweise. In der NS-Zeit verboten, wurde sie 1953 als DJK-Sportverein Schwarz-Weiß Braunschweig wieder gegründet. Kulmbacher-Wirt Ewald Blume war lange Zeit ihr Vorsitzender.
Zur Ersten Kulmbacher gehörte ein Biergarten unter Kastanien im Hof. Heute wird die Gaststätte als kroatisches Restaurant Croatia Grille weitergeführt.

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