In den Jahren 1884/85 wurde zwischen Kloster- und Celler Straße das neue Kreis- und Untersuchungsgefängnis, die heutige Justizvollzuganstalt, errichtet. Zuvor waren die Gefangenen im Aegidienkloster untergebracht worden, das den Anforderungen an ein neuzeitliches Gefängnis aber nicht mehr genügte. Erhöhte Sicherheitsstandards und neue rechtliche Vorschriften zur Unterbringung und Behandlung von Strafgefangenen (Reichsstrafgesetzbuch von 1870) machten diesen Neubau erforderlich. Er wurde am 1.0.1885 seiner Bestimmung übergeben.
Vorausgegangen waren Verhandlungen mit dem Kreuzkloster über die Abtretung von ca. 14.000 qm klostereigenen Grundstücks. Auf diesem Gelände befanden sich der Meiereigarten des Klosters sowie zahlreiche Scheunen und Lagergebäude. Nachdem im April 1883 der Pächter des Meiereigartens, der Fabrikant Julius Seeliger, gegen eine Abfindung in Höhe von 1222,60 Mark die Pachtrechte abtrat und das Kloster sich im Mai 1883 einverstanden erklärte, das Grundstück für 56.000 Mark zu verkaufen, konnten die Bauarbeiten beginnen. Im Zuge dieser Arbeiten entstand 1884 auch die Rennelbergstraße mit dem Haupteingang des Gefängnisses. Zur Klosterstraße hin befindet sich in der Gefängnismauer ein weiteres Tor.
Im Hauptgebäude war im Nordflügel das Untersuchungsgefängnis, im Südflügel und im oberen Stock des Mittelflügels die Strafabteilung für Männer, im mittleren Stock des Mittelflügels die Frauenabteilung untergebracht. Im unteren Stockwerk des Mittelflügels waren die Gefängnisverwaltung sowie ein Sprech- und ein Arztzimmer. Darüber hinaus gab es ein Wirtschaftsgebäude mit Küche und Wäscherei, eine Kirche, die zugleich als Unterrichtsraum genutzt wurde, und eine Bücherei, jedoch keine Krankenabteilung. Ein Beamtenhaus vor dem Haupttor in der Renngelbergstraße außerhalb der Gefängnismauer beherbergte vier Dienstwohnungen. Eine davon bewohnte der Oberinspektor, die anderen drei waren für Aufsichtsbeamte bestimmt.
Beschäftigt wurden die Gefangenen in Eigenbetrieben wie Klempnerei, Sattlerei, Malerei, Schlosserei, Schuhmacherei, Tischlerei, Schneiderei, Holzzerkleinerung und Altmaterialverwertung. Hin und wieder wurde aber auch für einen Unternehmer Saatgut verlesen. Innerhalb der Umwehrungsmauer wurde ein landwirtschaftlicher Betrieb mit Gemüsegarten unterhalten. Außerdem wurden ein Fuhrbetrieb und eine kleine Schweinezucht betrieben.
Von Beginn an gab es eine Heißwasserheizung, die von der Firma Ritschel & Henneberg aus Berlin installiert wurde. Seit Ende der 1930er Jahre war in jeder Zelle eine Toilette mit Wasserspülung.
Nach der Fertigstellung verfügte das Gefängnis über 150 Zellen für 196 Personen. Für das Jahr 1922 meldete die Gefängnisverwaltung an den Vorstand der Landesstrafanstalten Wolfenbüttel 125 Einzelzellen (davon 108 für Männer) und 33 Gemeinschaftszellen (davon 25 für Männer) mit einer Höchstbelegung von 293 „Köpfen“ (233 Männer und 60 Frauen). In den Jahren 1933 bis 1937 war das Gefängnis stets überbelegt; für 1935 wird eine Durchschnittsbelegung mit 344 Männern und 50 Frauen angegeben.
Im Mai 1913 klagte die Herzogliche Gefängnisverwaltung gegenüber dem Oberstaatsanwalt, dass in der „Weiberabteilung“ „sämtliche Zellenfenster mit undurchsichtigem sogen. Milchglas versehen sind.“ Diese beeinträchtige den Gemütszustand und die Augen der Frauen. Aus sanitären und ökonomischen Gründen könne dies auf Dauer nicht geduldet werden, zumal „gerade die weiblichen Gefangenen häufig nur mit Verlesen von Cerealien und Sämereien, wozu besonders helles Licht erforderlich ist, beschäftigt werden können.“ Grund für die Anbringung von Milchglasscheiben im Jahr 1894 war, „dass gefangene Weiber von an die Zellenfenster gerückten Tische aus durch unzüchtige Entblößungen und Gebärden die Blicke der auf den Höfen beschäftigten Männer auf sich gezogen hatten.“ Durch bessere Aufsicht und Austausch der Scheiben wurde dieser Zustand beseitigt.
In einem Bericht eines politischen Gefangen in der niedersächsischen Arbeiterzeitung vom September 1925 werden die Zustände im Gefängnis und die mangelnde soziale Verantwortung kritisiert: Die ca. 200 Einzelzellen mit 8 qm (2m x 4m) seien teilweise in einem Ekel erregenden Zustand, die hygienischen Verhältnisse katastrophal. Das Essen sei ab einem gewissen Zeitpunkt nur noch als „Schweinefutter“ zu bezeichnen, das zudem nur mit einem Löffel zu sich genommen werden konnte, weil Gefangene weder Messer noch Gabel ausgehändigt bekamen. Das Wachpersonal (mindestens 40 Personen) sei „falsch, hinterhältig und roh“, „gegen alle Empfindlichkeiten erhaben“ und kümmere sich wenig um das Schicksal der Gefangenen. Dem entsprechen auch die Aussagen über die Gefängnis vorhandene Literatur für die Inhaftierten: „Die Gefängnisverwaltung scheint zu glauben, dass ein Straf- oder Untersuchungsgefangener brauchbare theoretische Hinweise, die der Erziehung, Hebung der Sittlichkeit und Mora dienen könnten, nicht benötigt“.
Umgeben war das Gefängnis von einer 3,50 m hohen Backsteinmauer. 1917 wurde eine zusätzliche Stacheldrahtumzäunung auf der Mauer – aus Kostengründen allerdings nur in besonders gefährdeten Bereichen – angebracht. Eine Glassplitterdecke auf der Mauerkrone wurde als wenig sinnvoll erachtet, da diese durch im Gefängnishof vorhandenen Holzscheite abgedeckt und damit das Fluchthindernis beseitigt werden könne. Zahlreichen Fluchtversuche sind dokumentiert. Besonders spektakulär war eine Meuterei im Oktober 1919, die zum Ausbruch von 15 mit Beilen bewaffneten Häftlingen führte. Sieben von ihnen wurden festgenommen, acht konnten entkommen. In die gleiche Zeit fielen Angriffe von außen auf das Gefängnis, wobei Schusswaffen und Granaten zum Einsatz kamen. Zwar wurden Gefängnismauer und einige Gebäude beschädigt, aber keiner der Häftlinge konnte befreit werden.
1933 wurde der von den Nationalsozialisten abgesetzte Braunschweiger Sozialdemokrat und Oberbürgermeister Ernst Böhme im Rennelberg in so genannte Schutzhaft genommen. Auch Dr. Heinrich Jasper, sozialdemokratischer Landtagsabgeordneter, Ministerpräsident und Minister, wurde mehrfach von den Nazis im Rennelberg inhaftiert.
Im April 1964 gelang dem verurteilen SS-Führer Hans-Walter Zech-Nenntwich, der wenige Tage zuvor im Braunschweiger Judenmord-Prozess wegen Beihilfe zum Mord zu vier Jahren Zuchthaus verurteil worden war, die Flucht durch sechs verschlossene Türe wie die Braunschweiger Zeitung am 24.04.1964 berichtete. Nach Berthold Heilig, der am 09.12.1948 aus dem Wolfenbütteler Gefängnis geflohen war, war dies der zweite verurteile NS-Täter im Oberlandesgerichtsbezirk Braunschweig, dem die Flucht gelang.
Die heutige Justizvollzuganstalt ist zuständig für den Vollzug der Untersuchungshaft für jugendliche und männliche Untersuchungsgefangene und besitzt derzeit eine Höchstbelegungsfähigkeit von ca. 235 Gefangenen. Die Gefangenen werden in Einzel- und Gemeinschaftszellen untergebracht. Neben speziell ausgebildeten Vollzugs- und Verwaltungsbediensteten werden für die Betreuung der Inhaftierten psychologische, sozialpädagogische, medizinische Fachkräfte und Seelsorger eingesetzt. Insgesamt hat die Justizvollzuganstalt am Rennelberg ca. 117 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

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