Ein Fachwerkhaus, freistehend, nicht Mittelalter, sondern spätes 19. Jahrhundert. An der Längsseite hat eine Kletterpflanze, ein uralter Blauregen, bereits die Dachrinne erreicht. Die gegenwärtige Nutzung des Gebäudes durch eine Kindergruppe zeigt sich durch Spielgeräte im Vorgarten, der durch mehrere Sträucher und Bäume, vor allem durch zwei hochgewachsene, alte Kastanienbäume an der Grundstücksgrenze beschattet wird.
Nebenan führt der vor einigen Jahren angelegte Gebhard-von-Bortfelde-Weg zum Johanniter-Altenzentrum. Auf diesem Areal befand sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Zimmerplatz, den Zimmermeister Heinrich Andres Steckhan um 1860 angelegt hatte. „Vor dem Tore“ gelegen, war er durch seine Nähe zu den Ausfallstraßen Madamenweg, Broitzemer- und Goslarsche Straße verkehrsgünstig gewählt, so dass um 1876 der tüchtige Handwerker Steckhan auf seinem Grundstück für sich und seine Familie dieses Wohnhaus errichten konnte. Nur wenige Jahre später wurde der Zimmerplatz zum Ausgangspunkt des modernen städtischen Nahverkehrs, als er in den Besitz der Straßen-Eisenbahn-Gesellschaft überging, die in Braunschweig seit 1881 die Pferdebahn betrieb. Auf dem zum Pferdebahndepot umgestalteten Zimmerplatz wurde noch im Sommer 1881 die Errichtung der Betriebsgebäude nämlich Wagenschuppen, Pferdestall und Werkstatt in Angriff genommen. Das Depot bildete den Endpunkt einer Pferdebahnlinie, die vom Steintor aus die Innenstadt durchquerte.
Wenige Jahre später erwarb die als Monopolunternehmen auftretende Straßen-Eisenbahngesellschaft von den Erben des 1887 verstorbenen Zimmermeisters Steckhan das Gebäude Goslarsche Straße 2, das bis 1898 Verwaltungsgebäude und Wohnung des Generaldirektors Major a.D. Rennig Ribbentrop diente. Die Dienstzeiten der Kutscher und Schaffner betrugen bis zu 17 Stunden täglich.In der kalten Jahreszeit war das Pferdebahnpersonal derart durchgefroren, dass, wie der sozialdemokratische „Volksfreund“ am 10.01.1894 kritisierte, selbst Schnapsgenuss und Einkehr in die warmen Gaststätten an den Endstationen den Dienst nicht erträglicher gestalten konnten. Die 1897 eingeführte Elektrifizierung der Straßenbahn hatte zur Folge, dass die erst 1881 errichteten Betriebsgebäude durch eine große Wagenhalle ersetzt wurden, die auf 40 Straßenbahnwagen ausgelegt war. Bei der Eröffnung im August 1898 wurden zunächst 15 Motorwagen untergebracht. Fast zeitgleich wurden an der Eisenbüttler Straße ein neues Verwaltungsgebäude und das Hausdepot der Straßenbahn errichtet, weil der steigende Personenverkehr und städtisches Wachstum die Erweiterung des Straßenbahnbetriebs nötig machten.
In den folgenden Jahrzehnten diente die Wagenhalle den städtischen Verkehrsbetrieben als Nebendepot, bis schließlich diese Aufgabe der zentrale Betriebsbahnhof am Altewiekring übernahm. Seit Januar 1935 wurde die Wagenhalle von der 1919 gegründeten Kraftfahrgesellschaft (KVG) in Anspruch genommen, die den Omnibusverkehrs in und um Braunschweig durchführte. Während noch in den 1960er Jahren im Wohnhaus Betriebspersonal wohnte, wurde die Halle bereits zu anderen Zwecken gewerblich genutzt, so durch das Braunschweiger Metallwerk Unger & Sohn. Abbruch der Wagenhalle kam es in den 1970er Jahren, bevor das Johanniter-Altenzentrum entstand, das nach mehrjähriger Bauzeit im September 1983 eingeweiht wurde. Einige Jahre später zog die private Kindergruppe „Rübe“ in das alte Wohnhaus ein. Das rissige Kellergewölbe schien nach einiger Zeit den lebhaften Kinderfüßen nicht mehr gewachsen zu sein. Der städtische Bauausschuss weigerte sich zwar, „auch nur noch eine Mark“ in das nicht unter Denkmalschutz stehende Haus zu stecken, Doch durch Eigeninitiative ist es der Kindergruppe bis heute gelungen, das alte Haus zu halten und mit Leben zu erfüllen.

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